Bauzentrum_2021_05

BAUZENTRUM E-BAU 5 | 2021 14 Sanierung Neue Nationalgalerie Berlin Anspruchsvolle Bodenrenovierung in Architekturikone Die von 1963 bis 1968 nach Plänen von Ludwig Mies van der Rohe gebaute Neue Nationalgalerie gilt als Ikone der Architektur des 20. Jahrhunderts. Nach fast fünfzig Jahren intensiver Nutzung als Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst benötigte sie eine umfassende Grundinstandsetzung. Die Ertüchtigung und behutsame Moderni- sierung betraf alle Teile des Gebäudes, die teils nach Originalvorgaben demontiert, restauriert und wieder eingebaut wurden. Das ursprüngli- che Erscheinungsbild sollte dabei weitestgehend unverändert bleiben, umdieGesamtwirkung des Baus zu erhalten. Denkmalschutz und Anforde- rungen zur Nutzung als moderner Museums- betrieb mussten in Einklang gebracht werden – auch beim Boden, bei dem Uzin-Verlegesys- teme maßgeblich zur Instandsetzung nach allen gefordertenMaßgaben beitrugen. Prunkstück der Moderne meisterhaft saniert Um den Rohbau freizulegen, wurden rund 35.000 originale Bauteile demontiert und ar- chiviert, darunter die komplette Innenausstat- tung und der Naturstein. Allein 2.500 m² Na- tursteinplatten aus Striegauer Granit wurden nach ihrer denkmalgerechten Restaurierung wieder eingebaut. Die Außenbereiche erhielten ihre ursprüngliche Bepflanzung. In den Ausstel- lungsbereichen jenseits der Treppenhalle wurde wieder Teppichboden verlegt – ein viel diskutier- tes Detail, auch in Hinblick auf die Erwartung heutiger Museumsbesucher an eine zeitgemäße Gestaltung. Nach einem intensiven Abwägungs- prozess entschieden sich Architekten, Landes- denkmalamt, Bauherr und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) als baufachlicher Bauherrenvertreter für eine Neu- auflage der Webware. Die Rekonstruktion des Teppichs musste ohne bauzeitliche Muster nur anhand von Fotos und Zeitzeugenaussagen er- folgen. Der textile Belag imOriginaldesign sollte seine Wirkung im Raum entfalten – ganz nach Mies van der Rohes Vorstellung von Haptik, Optik und Akustik. Farblich passt die hellgraue feinmelierte Schlingenware zum Granitbelag in Foyer und Skulpturengarten. Fugenlose Teppichbodenverlegung und Oddy-Test gefordert Damit die Neue Nationalgalerie den heuti- gen technischen Anforderungen hinsichtlich Klimatisierung, Brandschutz und Sicherheit entspricht, wurde die gesamte technische Ge- bäudeausrüstung erneuert, beispielsweise die Raumlufttechnik, die Fußbodenheizung oder das Grundleitungssystem in der Bodenplatte. Der Bodenaufbau erforderte besonderes Know- how, denn rund 4.000 m² Teppichboden sollten indenAusstellungsbereichen auf einer beheizten Estrichkonstruktion in fugenloser Optik verlegt werden – trotz vorhandener Dehnfugen. Laut Denkmalamt war ein durchgängiges Erschei- nungsbild in der Fläche unerlässlich. Uzin bot als einziger Anbieter eine passende Lösung und empfahl einen Bodenaufbau nach demneuesten Stand der Technik – fachmännisch ausgeführt von der IB Fußbodentechnik Berman GmbH aus Berlin. Unterboden mit Fugenschließung auf beheizter Estrichkonstruktion Die beheizte Estrichkonstruktion im Unterge- schoss bestand aus rund 7 x 7m² großen Feldern mit einzeln steuerbaren Heizkreisen. Aufgrund der großen Speichermasse des Fußbodens leistet die Fußbodenheizung einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Raumklimas. „Die eigent- liche Herausforderung bestand darin, die Dehn- fugen übernehmen zu müssen“, erklärt Igor Berman. Laut DIN 18365 sind Bewegungsfugen aus der Untergrundkonstruktion in den Ober- boden zu übernehmen. Das Denkmalamt lehnte jedoch den Einsatz von Profilen klar ab, es wollte eine homogene Teppichfläche. Dazu wurden nach dem Schleifen und Grundie- ren die Fugenbereiche jeweils zirka 30 cm links und rechts der Fuge angefräst, Dämmstreifen wurden auf gesonderte Art auf ca. 20–25 mm keilförmig heruntergeschnitten. Anschließend legte das Team Rissbrücken in die Fugen ein, die mit einem 2-K-PUR-Klebstoff verklebt wur- den. „Das Glasgewebe nimmt in Verbindung mit demKlebstoff die Zugkräfte auf“, erläutert Dirk Hohenhaus, Fachberater von Uzin, der das Projekt während der gesamten Bauzeit eng be- gleitete. Zum Abschluss wurden die Fugen voll- ständigmit demParkettklebstoff UZINMK 92S gefüllt und noch einmal abgestrichen. „Insge- samt haben wir auf diese Weise ca. 700 laufende Meter Fugen geschlossen“, so Berman. Nach der Trockenzeit wurde die gesamte Fläche noch einmal geschliffen und mit der Schnellgrundierung UZIN PE 414 BiTurbo grundiert. Die gebrauchsfertige 1-K-Grundie- rung ist leicht aufwalzbar und dringt rasch ein. Um den Teppichboden vom Untergrund zu trennen, wurde anschließend eine Däm- munterlage verlegt. „Sie entkoppelt nicht nur, sie nimmt auch Bewegungen auf“, erklärt Igor Berman. Außerdem sorgt sie für Druckver- teilung, besseren Gehkomfort, Maßstabilität und Trittschallschutz. Aufgrund der Größe der Bodenfläche und der starken Frequentie- Blick vom Skulpturengarten in die Neue Nationalgalerie: Der textile Belag im Originaldesign entfaltet seine Wirkung im Raum – ganz nach Mies van der Rohes Vorstellung von Haptik, Optik und Akustik. Farblich passt die hellgraue feinmelierte Schlingenware zum Granitbelag in Foyer und Skulpturengarten. Foto: © BBR, Thomas Bruns

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