Bauzentrum_2021_05

BAUZENTRUM E-BAU 5 | 2021 Denkmalschutz 35 Innovative originale Saaldecke wieder restauriert Nach einer langen Phase des Umbauens und Sanierens ist die Renovierung des Gemeinde- hauses St. Victor in Hamm-Herringen abgeschlossen. Endlich können Pfarrerin Heike Park und die evangelische Kirchengemeinde am Sonntag, den 12. September 2021, um 15.00 Uhr mit der den aktuellen Umständen geschuldeten Vorsicht eine kleine Feierstunde im „Haus der Evangelischen Kirchengemeinde“ feiern. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) hatte sich mit einem Fördervertrag über 100.000 Euro an der Instandsetzung des histo- rischen Hünnebecker Tragwerkes im Saaldach und am Rückbau des Saales beteiligt. Das Denkmal zählt zu den über 500 Projekten, die die private DSD dank Spenden, der Erträ- ge ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel von WestLotto aus der Lotterie GlücksSpirale allein in Nordrhein-Westfalen fördern konnte. DasGemeindehaus imZentrumvonHerringen steht gleich gegenüber der mittelalterlichen St. Victor-Kirche als nördlicher Abschluss des Marktplatzes. Mit Anwachsen der Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts musste die In- frastruktur angepasst werden. 1931 wurde der Neubau des Gemeindezentrums beschlossen. Der Dortmunder Architekt Emil Pohle setzte dabei die Gestaltungsprinzipien des „Neuen Bauens“ um. Das Gemeindezentrum besteht aus einem vorgelagerten, eingeschossigen, ovalen Pavillonbau mit Backsteinfassade, quer- rechteckigen Fensterbändern und Flachdach, einem dahinter aufsteigenden, verputzten, flach gedeckten Turm, und dem quergestellt dahinterliegenden, zweigeschossigen, verputz- ten Gemeindehaus mit Satteldach. An der Rückseite fügte Pohle im Winkel den verputzten Saalbau an. Ihn gliedern dichtge- reihte hohe Rundbogenfenster. Der Saal besaß ursprünglich eine Theaterbühne und Filmvor- führmöglichkeiten. Als innovatives und bestim- mendes Gestaltungsmerkmal für den Saal wähl- te Pohle ein sichtbares, stählernes Rautennetz als Dachkonstruktion. Es könnte sich bei dieser Dachkonstruktion des Herringer Gemeinde- saales um eines der seltenen Dächer von Emil Hünnebeck handeln. Die innovative und daher wertvolle Dachkonstruktion des Saales ver- schwand unter einer Schallschutzverkleidung, als man in den 1960er- und 1970er-Jahren bei der Umgestaltung des Vorplatzes Bauten an den Saal anfügte und das Innere ohne große Rück- sicht auf den Ursprungsbau veränderte. Erst vor kurzem wurde die Saaldecke zufällig wiederentdeckt. Hünnebeck hatte sich die Rau- tennetzbauweise patentieren lassen, nachdem er die Technik stählerner Lamellendächer, die auf den Entwicklungen Friedrich Zollingers und denen Hugo Junckers fußte, weiterentwi- ckelt hatte. Zollinger überspannte 1923 mit einem materialsparenden hölzernen Lamellen- dach erstmals Hallen stützenfrei und Junckers verwandte in seinen stützenfreien Flugzeug- hallen schon 1927 Lamellendächer aus Stahl. www.denkmalschutz.de Gemeindehaus in Hamm-Herringen. Foto: R. Mroß, Westfälischer Anzeiger

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