Bauzentrum_2021_06

BAUZENTRUM E-BAU 6 | 2021 E-BAU 23 ein einheitliches Gesamtbild zu schaffen, entschieden sich die Verantwortlichen für eine schlichte Gebäudekubatur. Die quad- ratische Grundfläche hat eine Abmessung von circa 60 auf 60 Metern. Die Gebäude- höhe beträgt 21 Meter. Um die kompakte Form zu durchbrechen und aufzulockern, befinden sich in den Obergeschossen großformatige Einschnitte. Letztere glie- dern den Grundriss und öffnen das Ge- bäude zur Umgebung hin. Darüber hin- aus sorgen sie für mehr natürliches Licht in den Räumlichkeiten. Außerhalb ent- stehen zudem Höfe mit einer intensiven Dachbegrünung. Im Inneren sind die ver- schiedenen Bereiche rund um ein Atrium modular angelegt. Dynamisches Erscheinungsbild durch Wellen-Optik Auch auf der Gebäudehülle liegt ein beson- deres Augenmerk. So verfügt die Fassade über einen großen Glasanteil und schafft mithilfe des hohen Tageslichtaufkommens innerhalb der Räumlichkeiten gute Vor- aussetzungen für eine angenehme Arbeits- atmosphäre. Die horizontal verlaufenden Lichtbänder weisen eine dynamische Form auf. Die Seiten sind nicht gradlinig, son- dern unregelmäßig und bewirken so einen Wellen-Effekt. Das erzeugt eine Optik, die eine unverkennbare Gebäudehülle entste- hen lässt. Zusätzlich verstärkt wird das fu- turistische Erscheinungsbild durch die glä- sernen Brücken. Sie verbinden den Neubau künftig mit der umliegenden Bebauung. Massive Basis für hybride Stockwerke Das vollunterkellerte Objekt umfasst fünf Etagen. Das Kellergeschoss mit ei- ner lichten Geschosshöhe von 4,5 Metern wurde in Stahlbeton umgesetzt. Auch die Erschließungskerne, wo die Treppen und Aufzugschächte Platz finden, wur- den massiv ausgeführt Das Erdgeschoss misst eine lichte Geschosshöhe von 6,22 Metern, erstes und zweites Obergeschoss messen 4,12 Meter und das dritte 3,94 Me- ter. Die Primärkonstruktion der oberen vier Stockwerke in Hybridbauweise setzt sich aus Holzstützen und Verbundträ- gern zusammen. Insgesamt wurden 8.200 Quadratmeter Geschossdecken aus Holz- betonverbund auf den vier Etagen ver- baut, welche in den unternehmenseigenen Werkshallen vorgefertigt wurden. Holzbetonverbunddecken mit Deltabeam-Trägern Die Verbundkonstruktion aus Holz und Beton kombiniert als hybrides Element die Eigenschaften der beiden Baustoffe, sodass sich technische als auch wirtschaftliche Vorteile ergeben, da Material gespart wer- den kann. Zudem wurden die HBV-Decken in Göttingen mit Deltabeam-Trägern von Peikko verbunden. Auf diese Weise sind besonders hohe Spannweiten bei geringer Dicke möglich. Außerdem erzeugen die Deltabeam-Träger eine plane Unteransicht der Decke. Beim Sartorius Neubau erfolgte die Verbindung der Materialien mit Hilfe von Kerven, welche in das Holz eingefräst sind. Auf diese Weise werden die benötigen Verbundmittel reduziert. Baubuche, Brettschicht- und Brettsperrholz im Zusammenspiel Um dem Prinzip der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung Rechnung zu tra- gen, kommt in vielen Bereichen des Gebäu- des Holz zum Einsatz. Ein hohes Lasten- aufkommen herrscht im Erd- sowie ersten Obergeschoss. Vor diesem Hintergrund wurden in diesen beiden Etagen Stützen aus Baubuche mit einem Querschnitt von 480 auf 480 Millimeter verbaut. Der Baustoff punktet mit einer hohen Trag- fähigkeit – und das bei einem geringen Eigengewicht im Vergleich zu Stahlbeton- stützen. So liegt das Gewicht bei gleicher Dimension bei rund einem Drittel. In den restlichen Geschossen bestehen die Stüt- zen aus Brettschichtholz (BSH). Brüs- tungs- und Innenwandelemente wurden aus Brettsperrholz gefertigt. Schneller Baufortschritt Sowohl die Deckenelemente als auch Stüt- zen und Brüstungs- sowie Innenwandele- mente fertigte Brüninghoff vor und sorgte damit für einen geringeren Aufwand auf der Baustelle. Montageschritte werden auf diese Weise in die Produktionsstät- ten vorverlegt – und finden so unter opti- mierten Bedingungen statt. Dem Witte- rungsschutz beim Transport und auf der Baustelle kommt aber dennoch eine wich- tige Bedeutung zu. Zugleich können Wit- terungseinflüsse durch eine genau termi- nierte Taktung der Logistik und Montage reduziert werden. Vor diesem Hintergrund arbeitete Brüninghoff mit BIM-basierten 3D-Modellen. Diese ermöglichen nicht nur eine Kollisionskontrolle, sondern erleich- tern auch die Abstimmung der zeitlichen Parameter und die logistische Planung. Das Forschungs- und Entwicklungsgebäude fügt sich ideal in die Umgebung des Campus ein und bildet mit der restlichen Bebauung eine harmonische Einheit. Mithilfe eines durchdachten Entwurfs wurde ein stimmi- ges Gesamtkonzept geschaffen. Der Neubau weist sowohl ökologische, ökonomische, sozi- alkulturelle, als auch funktionale und techni- sche Qualitäten auf. Das soll nach Abschluss der Baumaßnahmen auch eine Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) bestätigen. www.brueninghoff.de Brüninghoff fertigte die Deckenelemente, Stützen und Brüstungs- sowie Innenwandelemente im unterneh- menseigenen Werk vor. Dies garantierte einen schnellen Baufortschritt. Verbunddecken aus Holz und Beton werden auf der Baustelle kombiniert mit Deltabeam-Trägern.

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