Bauzentrum_2023_06

BAUZENTRUM E-BAU 6 | 2023 22 E-BAU Wie ein Visionär mit Glapor die Grenzen nachhaltigen Bauens neu auslotet Was leuchtende Augen und jede Menge Schaumglas gemein haben? Beides ist im schwedischen Skegrie zu finden. Die leuchtenden Augen gehören Claes Stenmark, ursprünglich Werbefachmann, heute Gastronom und Bauherr des wahrscheinlich klimafreundlichsten Restaurantgebäudes der Welt – dem Stenmarks Restaurant & Greenhouse. Schaumglas des oberpfälzischen Herstel- lers Glapor spielt beim Bauprojekt und der damit verbundenen Bauweise eine wesent- liche Rolle: „Weg von Kunststoff, weg von Beton, hin zu nachhaltigen, klimafreund- lichen Bauweisen“, lautet Stenmarks De- vise. Die positiven Eigenschaften von Glapor Schaumglas haben es ihm dabei besonders angetan. Neben Holz sowie der künftigen Verglasung des Gewächshaus- restaurants ist Schaumglas deshalb der dominierende Baustoff. Insgesamt 121 m³ Platten in verschiedenen (Sonder-)Forma- ten lieferte Glapor für die Funktionen als tragendes Randelement, als Stütze und als Isolierung. Kreislaufdenken bei Bau und Betrieb fördern: 90 % weniger Klimabelastung „Was ist das Leben ohne Herausforderun- gen?“, erwidert Stenmark auf die Frage, wa- rum er nicht einfach so wie alle baue. Nicht weniger als die Grenzen des umweltfreund- lichen Bauens herausfordern möchte er mit seinem Projekt Stenmarks Restaurant & Greenhouse. Alleine an der Gesamtfläche von 1.165 Quadratmetern, etwa die Hälfte davon als integriertes Gewächshaus, lässt sich abmessen, dass Stenmark keine klei- nen Brötchen backt. Bereits 2017 begann er, seine Ideen zu skizzieren und erkannte schnell, dass es großartige Möglichkeiten für ein energieeffizientes Restaurant geben sollte, indem man Wärme für einen sekun- dären Zweck recycelt. „Und was ist besser, als überschüssige Wärme für den Anbau eigener Zutaten zu nutzen? Die Idee eines Gewächshausrestaurants war geboren“, so Stenmark. Die Auswirkungen auf das Kli- ma will er sowohl beimBau als auch Betrieb um 90 Prozent im Vergleich zu herkömmli- chen Methoden reduzieren. Konkret heißt das: Ein Gebäude aus möglichst nachhal- tigen Baumaterialien errichten und im Betrieb Wärme und Wasser recyceln, um ein integriertes Gewächshaus zu betreiben. „Mein Ziel ist es vor allem, andere dazu zu inspirieren, in Bezug auf die Art und Wei- se, wie wir leben, konsumieren, bauen und Geschäfte führen, in Kreisläufen zu den- ken. Und nicht zuletzt – irgendwie logisch bei einem Restaurant – den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich bei gutem Essen und Trinken glücklich zu fühlen.“ „Das Baugewerbe ist es schlicht nicht gewohnt, durchgängig mit nachhaltigen Materialien zu bauen“ Bei der Umsetzung erging es Claes Sten- mark wie wohl vielen Visionären – getrie- ben von und voller Feuereifer für seine Idee, holte ihn vor allem vor der baulichen Umsetzung die Realität ein: Es dauerte Jahre, bis er eine Baugenehmigung erhielt – sie wurde von den zentralen Gerichten verweigert, obwohl die örtlichen Behörden grünes Licht gaben. Auch das nachhaltige Bauen gestaltete sich mühsamer als erwar- Planungsansicht zum Stenmarks Restaurant and Greenhouse. Fotos: Claes Stenmark. Draufsicht auf das Projekt, gut erkennbar: die schwarzen Glapor Schaumglasplatten.

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