Bauzentrum 02/2024

BAUZENTRUM E-BAU 2 | 2024 Titel 7 mit. Sie habe auf die Architektur einen wichtigen Einfluss gehabt und finde sich in ähnlicher Weise im Werk von Le Corbusier wieder, erklärt Levin Koch. „Eines Tages legte Arno Lederer mir ein Buch über das Goethehaus in Weimar auf meinen Tisch und sagte auf Schwäbisch: „So machsch‘s“, erinnert sich der Architekt. Jeder Raum im Goethe- haus hat eine andere Farbe, darunter Gelb, Hellblau, Grün, Braun und Hellrot, und entsprechend eine andere Bedeutung. Darauf habe LRO Bezug genommen, so Koch. Zum Beispiel formulierte Goethe in seiner 1810 erschienenen Farbenlehre, das Gelb der Wandfarbe habe fur „eine heitere, muntere, sanft reizende“ Stimmung zu sorgen, es sei zudem „die nächste Farbe am Licht“. Levin Koch ergänzt: „Die Farbe Grün wird von Goethe mit Ruhe und Natur in Verbindung gebracht, und Blau wirkt kühl, es drängt sich nicht auf und lässt den Raum weiter erscheinen.“ Farbe und Licht Ist der Eingangsbereich des zweigeschossigen Foyers in einem dun- kelblauen Ton an der Decke und in Hellgrün an den Wänden gehalten, findet sich ein leuchtendes Gelb an der Längswand der zweigeschos- sigen Galerie. Ein helles Ziegelrot und ein bräunlicher Farbton setzen vereinzelt Akzente. Blickfang im Foyer ist eine geschwungene Treppe, die vor einer hellblauen Wand zur Galerie führt. Dieses Farbkonzept erstreckt sich über zwei Etagen und wird zusätzlich mittels speziel- ler Beleuchtung in Szene gesetzt. Levin Koch dazu: „Wir holen durch Oberlichter sowie über große Rundfenster zum Hof natürliches Licht in das Foyer herein. Gleichzeitig setzen Strahler und runde Decken- leuchten die verschiedenen Bereiche, darunter auch die gelbe Wand mit Empore, in Szene.“ Ausgeklügeltes Farbkonzept „Das detaillierte Konzept, welche Farben für welche Bereiche warum eingesetzt wurden, bleibt ein bisschen unser Geheimnis“, berichtet Levin Koch augenzwinkernd, verrät allerdings: »Die Gestaltung hat sich in einem Prozess entwickelt. Wir haben darauf geachtet, dass gewisse Farbsetzungen so funktionieren, dass sie die unterschiedli- chen Raumsituationen des Foyers unterstützen, dass Farben nicht an der falschen Stelle aufeinandertreffen, auch in Bezug auf den Aus- blick nach draußen. Bei der Auswahl einer Farbe ergeben sich daraus meist die anderen Farben. Gleichzeitig haben wir darauf geachtet, nicht zu viel Farbe einzusetzen, sodass wir die Bereiche wie Türen oder Stützen Weiß und Schwarz gestaltet haben. Wir stellten fest, dass das Konzept wohl farbig, aber nicht bunt sein darf, sonst ent- steht ein Raum, der den Betrachter erschlagen kann. Das ist auch der Grund, weshalb wir sehr lange gebraucht haben, um das Farbkonzept zu erstellen.“ Langer Entwurfsprozess Schon früh war den Architek- ten rund um Arno Lederer klar, für die Gestaltung des Foyers mi- neralische Farben verwenden zu wollen. Levin Koch erklärt: „Denn auch Goethes Farbenlehre bezieht sich auf eine Farbpalette, die es in der Natur gibt.“ Vor diesem Hintergrund kamen den Verantwortli- chen die mineralischen Le Corbusier Farben poLyChro-intérieur von KEIMFARBEN entgegen, gefertigt nach der Polychromie architec- turale Le Corbusiers. „Auch die Farbtöne von Le Corbusier basieren auf der Natur und sind sehr gut aufeinander abgestimmt. Außerdem lassen sich die meisten Farben bedenkenlos kombinieren, was das Arbeiten vereinfacht. Diese Grundpalette mit einer überschaubaren Anzahl an Farbtönen verwenden wir auch in anderen Projekten“, er- klärt Koch und fährt fort: „Was folgte, war eine intensive Zeit. Über ein Jahr nutzten wir den Musterservice von KEIMFARBEN vollum- fänglich und beschäftigten uns im Entwurfsprozess lange mit den Musterstücken, die wir zu jeder Le Corbusier Farbe bestellt hatten. Immer wieder sortierten wir diese neu gestalteten Fotomontagen und Renderings, sodass sich langsam peu à peu die Farbklaviatur des Münchner Volkstheaters entwickelte.“ Letztlich ließen die Architek- ten von KEIMFARBEN große Farbtafeln mit den Maßen 150 x 250 Zentimeter der ausgewählten Farben fertigen, um damit vor Ort im Foyer die endgültige Auswahl festzulegen. Je nach Lichteinfall changieren größere mit poLyChro-intérieur gestaltete Flächen über den Tag. Das Farbkonzept erstreckt sich über zwei Etagen. Die mit KEIM Innostar gestal- tete Wand im gelben Farbton setzt einen besonderen Akzent.

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