Bauzentrum_2021_06

BAUZENTRUM E-BAU 6 | 2021 16 Bauen mit Holz Spektakulär hoch hinaus Remmers beschichtet weltweit längste freischwebende Treppe aus Massivholz In der norwegischen Stadt Stavanger ist eines der größten Holzbau-Bürogebäude Nordeuropas fertiggestellt worden. Der siebengeschossige Finanzpark der SpareBank1 begeistert durch eine natürlich-transparente Architektur und beherbergt die wohl längste freischwebende Treppe aus Massivholz der Welt. Veredelt wurde die einzigartige Konstruktion mit einer leistungsfähigen Holzversiegelung des führenden Beschichtungs-Spezialisten Remmers. Design, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz vereint Als viertgrößte Stadt von Norwegen zählt Stavanger rund 140.000 Einwohner und liegt im Südwesten des Landes. Bis zu den 1950er Jahren waren die Industrie und das Erdöl prägende Elemente – heute hat sich Stavanger längst zu einer modernen Großstadt mit zahlreichen Dienstleis- tungsunternehmen entwickelt. In diesem zukunftsgerechten Umfeld wollte die Re- gionalbank SpareBank 1 seine rund 600 Mitarbeiter an einem neuen Standort im bestehenden Finanzpark Bjergsted zu- sammenführen. Mit Entwurf und Pla- nung wurden die norwegischen Archi- tekturbüros Helen & Hard und SAAHA beauftragt. Nach intensiven Gesprächen mit dem Bauherrn und allen Beteiligten entschied man sich für eine spektakuläre Holzbau-Architektur. Die als drei- bis siebengeschossiger Bau mit ca. 13.200 Quadratmetern Nutzfläche (überirdisch) geplante Zentrale vereint ein einzigartiges Gebäudedesign mit Nachhaltigkeit, Ener- gieeffizienz und einer großzügigen, offe- nen Raumstruktur – für ein angenehmes und produktives Arbeiten. Die tragende Hauptstruktur besteht komplett aus Holz und kombiniert in Erschließungskern, Trägern, Stützen und den speziell für das Projekt entwickelten Knotenverbin- dungen unterschiedliche Arten des na- türlichen Materials. In Kombination mit bodentiefen Glasfassaden entsteht ein äs- thetisches Gesamtbild. Riesige freischwebende Massivholztreppe im Atrium Herzstück des Neubaus ist ein glasüber- dachtes Atrium. In diesem als großzügiger Eingangshalle ohne Mittelstützen gestal- teten Bereich befindet sich ein maßgefer- tigter High-Tech-Aufgang mit gläsernen Geländern – die wohl größte freischwe- bende Massivholztreppe der Welt. Die vier l-förmig gebogenen Treppen über- spannen das Atrium von der siebten Etage abwärts. Die längste Treppe ist 21,5 Meter lang, überwindet eine Höhe von vier Me- tern und kann bis zu 5 Tonnen Gewicht tragen. Entstanden ist die riesige Kon- struktion in einer intensiven Zusammen- arbeit zwischen dem Architekturbüro Helen & Hard, Moelven Limtre und dem Treppen-Spezialisten hokon (Witten) und einigen weiteren Partnern. Jörn Bren- scheidt, Geschäftsführer von hokon, er- klärt: „Die Organisation aller Beteiligten war eine große Herausforderung, denn es gibt keine Firma, die ein solches Projekt allein realisieren kann.“ Der Unternehmer kam durch eine Empfehlung des Holzlie- feranten Pollmeier aus Creuzburg an das Projekt und hat dabei die komplette Orga- nisation und Verantwortung des Projekts sowie das Aufmaß der Treppenanlage, die Erstellung der 3D-CAD-Zeichnungen zur Fertigung, die Produktion der meisten Bauteile sowie deren Montage bzw. Mon- tageüberwachung übernommen. Abstimmungen und Kontrolle über digitale Kanäle Die Produktion bzw. Vormontage der teils komplex geformten Stufen, Wangen und Unterkonstruktionen erfolgte in der eigenen Werkstatt und einem der Zuliefe- rer in Deutschland. Vor Ort in Norwegen überwachte Jörn Brenscheidt die Monta- ge der tragenden Bauteile, die durch ei- nen ortsansässigen Betrieb durchgeführt wurde. Während des gesamten Projekts setzte der gelernte Schreiner auf digitale Prozesse: „Zur Unterstützung hatte ich mir die Hilfe eines Ingenieurbüros für Holzbau geholt. Ein Mitarbeiter lebt und arbeitet in Frankfurt, sein Kollege in New York. So haben wir die Daten rund um die Welt geschickt und durch das Nutzen der Zeitverschiebung ein enormes Tempo gewonnen. Während der Fertigung und auch während der Montage der Stufen und Setzstufen durch unsere eigenen Mit- arbeiter war ich teilweise geschäftlich in China gebunden. Aber durch den Einsatz von Videocall, Chat und E-Mail konnten wir alles ohne Probleme digital regeln“. Herzstück der neuen Bankzentrale in Stavanger: Die riesige freischwebende Massivholztreppe.

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